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Pinocchio
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Pinocchio [] ist eine Kinderbuchfigur des italienischen Autors Carlo Collodi. Sie war der Held der ab dem 7. Juli 1881 unter dem Titel Le Avventure di Pinocchio: Storia di un burattino (Pinocchios Abenteuer: Geschichte einer Holzpuppe) in der Wochenzeitschrift Giornale per i Bambini erschienenen Fortsetzungsgeschichte. 1883 erschienen die gesammelten 36 Episoden als Buch.
Collodi verfolgte mit seinem Entwicklungsroman pädagogische Absichten; seine Leser (er hatte etwa zehnjährige Schuljungen vor Augen) sollten zu fleiĂigem Lernen und Arbeiten, zu Gehorsam und Bedachtsamkeit angehalten werden. Pinocchio, die lebendige Puppe, ist zappelig, neugierig und verspielt, aber am Ende des Buches erreicht er das Lernziel und wird zur Belohnung in einen Menschenjungen verwandelt.
Die Handlung des eher schmalen Buches ist abwechslungsreich und schreitet schnell voran, und hilfreiche sprechende Tiere sind ihre häufigsten Teilnehmer. Pinocchios âElternâ, der alte Geppetto, der ihn geschnitzt hatte, und die Fee mit den blauen Haaren, ermahnen ihn, aber lieben ihn auch von Herzen. Die weiteren auftretenden Menschen sind keine moralischen Vorbilder.
Carlo Collodi âverdankt der Verwurzelung im Toskanischen nicht nur eine ironische Einstellung zum Leben, sondern auch eine farbige Ausdrucksweise, welche die Lebendigkeit und NatĂźrlichkeit der gesprochenen Sprache widerspiegelt.â Er schafft es, âdie kindliche Perspektive in der Erzählung sprachlich und inhaltlich lebendig und humorvoll zu vermittelnâ.cite-ref-fj-1-0[1] Er setzt immer wieder hintersinnige Pointen, die sich dem Leser erst durch Close Reading erschlieĂen.
Der Stoff wurde wiederholt ßbersetzt und adaptiert und noch Üfter verfilmt. Diese Bearbeitungen schrieben Pinocchios Nase eine Bedeutung zu, die sie in Collodis Buch nicht hatte. Dass Pinocchio lßgt und daraufhin seine Nase wächst, kommt im Buch nur an zwei Stellen vor, die zusammen keine drei Seiten umfassen. Bei Collodi ist Pinocchio kein notorischer Lßgner, sondern ein leichtsinniger Faulpelz.
Contents
⢠Handlung
⢠Figuren
⢠Deutung
⢠Realismus
⢠Moral
⢠Humanität
⢠Sozialisation
⢠Ausgaben
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Handlung
ÂŤC'era una volta...
- Un re! - diranno subito i miei piccoli lettori.
No, ragazzi, avete sbagliato. C'era una volta un pezzo di legno.Âť
âEs war einmal...
â Ein KĂśnig!â, werden meine kleinen Leser sofort sagen.
Nein, Kinder, ihr habt euch geirrt. Es war einmal ein StĂźck Holz.â
Beginn von Le Avventure di Pinocchio
Eines Tages findet Tischler Antonio, der wegen seiner roten Nase âMeister Kirscheâ genannt wird, ein Holzscheit, das zu sprechen anfängt, als er es bearbeiten will. Da ihm die Sache nicht geheuer ist, schenkt er es seinem Freund, dem Holzschnitzer Geppetto. Geppetto ist von dem Holzklotz begeistert und beginnt sogleich mit dem Schnitzen einer Holzpuppe, die er nach getaner Arbeit Pinocchio (Holz-/ DummkĂśpfchen, Wortspiel zwischen pino = Pinie und dem Deminutiv von pinco = Dummkopf und occhio = Auge) tauft. âIm Originalnamen steckt das lustige Bild der vom Kaminfeuer erhitzten Pinienzapfen, deren Kerne wie von selbst herausspringen.âcite-ref-ud-2-0[2]
Zu Geppettos Erstaunen erwacht die Puppe zum Leben und reiĂt ihrem SchĂśpfer aus. Beim Versuch, Pinocchio wieder einzufangen, landet Geppetto sogar im Gefängnis, kommt dann aber wieder frei und findet Pinocchio ausgehungert und reumĂźtig in seinem Haus. Dieser verspricht, in Zukunft artig zu sein und zur Schule zu gehen. Trotz eisiger Kälte verkauft Geppetto seine einzige Jacke, um Pinocchio eine Fibel zu kaufen.
Auf dem Weg zur Schule lässt sich Pinocchio von einem Puppentheater ablenken und schwänzt die Schule. Die anderen Puppen erkennen ihn sogleich als einen der ihren und es beginnt eine ausgelassene Feier. Der Theaterdirektor Feuerfresser ist darĂźber erbost und will Pinocchio als Feuerholz verwenden. Später bekommt er aber Mitleid mit ihm und schenkt ihm fĂźnf GoldmĂźnzen fĂźr seinen kranken Vater Geppetto. Freudig macht sich Pinocchio auf den Heimweg, wo er den Fuchs und den Kater trifft, denen er leichtsinnigerweise von seinem neuen Reichtum erzählt. Sie schlagen ihm vor, das Geld auf dem Wunderfeld zu vergraben, wo es sich von selbst vermehren soll. Nach einer Ăbernachtung in der Herberge Zum Roten Krebs trennen sich zunächst ihre Wege wieder. Pinocchio wird kurz darauf von zwei verkleideten Räubern verfolgt (in denen er Fuchs und Kater nicht erkennt). Da es ihnen nicht gelingt, ihm die MĂźnzen zu entreiĂen, die er in seinem Mund versteckt hat, wird er von ihnen am Ast einer Eiche aufgehängt.
In letzter Minute rettet ihn eine Fee mit dunkelblauen Haaren, lässt ihn in ihrem Schloss pflegen, und Ăźberredet ihn, die von drei Ărzten (Rabe, Kauz und Grille) verschriebene bittere Medizin zu schlucken. Pinocchio belĂźgt die Fee, indem er dreimal behauptet, die GoldmĂźnzen verloren zu haben, worauf jedes Mal seine Nase wächst. Nach einer halben Stunde wird er von seiner langen Nase befreit, durch eine Schar Spechte, die sie ihm wieder auf die natĂźrliche Länge zurĂźckschnitzen. Pinocchio will und darf bei der Fee bleiben, bricht aber gleich zu einem kurzen Spaziergang auf (der in Folge viele Monate dauern wird âŚ)
Pinocchio trifft nämlich abermals auf den Fuchs und den Kater, die ihn noch einmal ßberreden, sein Geld auf dem Wunderfeld zu vergraben. Auf diese Weise schaffen sie es dieses Mal, ihm sein Geld zu stehlen. Als Pinocchio den Diebstahl anzeigt, steckt ihn der Richter ßberraschenderweise selbst ins Gefängnis, aus dem er erst nach vier Monaten entlassen wird. Auf dem Heimweg zur Fee versucht er im Weinberg Trauben zu stehlen und tritt in ein Fangeisen. Der Bauer befreit ihn und legt ihn anstelle des verstorbenen Wachhunds an die Kette. In der Nacht verbellt Pinocchio die hßhnerstehlenden Marder und wird zum Dank freigelassen.
Auf einer Taube fliegt Pinocchio zur MeereskĂźste, um seinen Vater zu finden, der sich in der Zwischenzeit ein Boot gebaut hat, um seinen Sohn zu suchen. Am Ufer angekommen, sieht Pinocchio nur noch, wie Geppetto von einer groĂen Welle erfasst wird. Mutig stĂźrzt er sich in die Fluten, um seinen Vater zu retten, doch von diesem ist keine Spur zu sehen. ErschĂśpft gibt Pinocchio auf und wird auf die Insel der fleiĂigen Bienen gespĂźlt. Dort will ihm niemand etwas zu essen geben, weil er nicht arbeiten will. SchlieĂlich hilft er doch einer Frau, einen schweren Korb nach Hause zu tragen.
Die Frau entpuppt sich als die Fee mit den dunkelblauen Haaren, die ihn schon vorher aus Schwierigkeiten gerettet hatte. Wieder zeigt Pinocchio Reue und verspricht, sich in Zukunft zu bessern und zur Schule zu gehen. DafĂźr verspricht ihm die Fee, dass er eines Tages ein richtiger Junge aus Fleisch und Blut werden wĂźrde. Pinocchio erweist sich in der Schule als aufmerksamer und fleiĂiger SchĂźler. Aber eines Tages verfĂźhren ihn seine MitschĂźler dazu, zu schwänzen und einen Ausflug ans Meer zu machen. Dort gerät er mit seinen Kameraden in Streit, flieht vor den eingreifenden Polizisten und deren Hund ins Meer und wird von einem Fischer gefangen, der ihn in der Pfanne braten und verspeisen will.
Pinocchio entwischt und kehrt zur Fee zurĂźck, die ihm erneut verzeiht: Von morgen frĂźh an soll er keine Holzpuppe mehr sein, sondern ein Mensch. Mit Einverständnis der Fee will Pinocchio seine Schulkameraden zu einer Feier mit Milchkaffee und (beidseitig bestrichenen) Butterbroten einladen. In einer Stunde will er zurĂźck sein. Als er seinen Freund Romeo, genannt âDochtâ, trifft, Ăźberredet ihn dieser, mit ihm in das âSpielzeuglandâ, durchzubrennen, wo es keine Schule gibt und niemand zu lernen braucht. Nach langem ZĂśgern erliegt Pinocchio der Versuchung und die beiden reisen um Mitternacht mit einem von zwĂślf Eseln gezogenen Karren in das Wunderland.
Zunächst sind Pinocchio und seine Freunde begeistert vom Paradies ohne Pflichten, doch nach fßnf Monaten wachsen ihnen Eselsohren und sie verwandeln sich alle in Esel. Die Esel werden verkauft; Pinocchio gelangt in einen Zirkus, in dem er tanzen und durch einen Reifen springen muss. Als er sich während einer Vorstellung verletzt und nun lahmt, wird er an einen Mann weiterverkauft, der aus der Eselshaut eine Trommel fertigen mÜchte. Er versucht, den Esel zu tÜten, indem er ihn ins Meer wirft, doch nachdem Fische den Esel aufgefressen haben, bleibt nur der hÜlzerne Pinocchio ßbrig, der rasch davonschwimmt.
Im Meer wird Pinocchio von einem âRiesenhaifischâ verschluckt (den Collodis Illustratoren immer wie einen Wal darstellen). Im Bauch des Fisches trifft er unerwartet seinen Vater Geppetto wieder, der sich mit den Vorräten eines vom Hai verschluckten Handelsschiffes wohnlich eingerichtet hat. Da der Hai in der Nacht mit offenem Mund schläft (da er an Asthma und Herzbeschwerden leidet), kĂśnnen die beiden (und ein mitgefangener Thunfisch) den Fisch Ăźber das Maul verlassen.
Gepetto und Pinocchio, vom Thunfisch an Land getragen, beziehen am Ufer eine verlassene StrohhĂźtte. Um seinen kranken Vater zu versorgen, beginnt Pinocchio schwer zu arbeiten, indem er fĂźr einen Bauern ein GĂśpelwerk dreht und BinsenkĂśrbe flicht. Als er erfährt, dass die Fee mit den blauen Haaren erkrankt und verarmt ist, lässt er ihr seine mĂźhevoll ersparten vierzig Groschen zukommen. In der Nacht erscheint ihm die Fee im Traum und lobt sein gutes Herz, das schwerer wiege als ein Mangel an âGehorsam und gutem Betragenâ. Als Pinocchio am nächsten Morgen aufwacht, ist er ein richtiger Junge aus Fleisch und Blut und die StrohhĂźtte hat sich in ein schĂśnes Zimmer verwandelt, âdas schlicht und vornehm zugleichâ eingerichtet ist.
Figuren
Eine Vielzahl von Figuren bevÜlkert Collodis Märchen, manche von ihnen kehren in späteren Episoden wieder, aber die meisten treten nur jeweils einmal auf. Hier werden nur die wichtigsten angefßhrt, in der Reihenfolge ihres Auftretens, mit Angabe des Kapitels ihres ersten Auftretens.
⢠(Kap. I) Meister Kirsche (mastro Ciliegia, weil seine Nasenspitze âimmer so dunkelrot glänzt wie eine reife Kirscheâ) ist Tischler. Er findet das HolzstĂźck, aus dem später Pinocchio werden wird. Als er versucht, daraus ein Tischbein zu machen, schreit das Holz auf: âSchlag mich nicht!â Obwohl er mit Geppetto, der ihn respektvoll als MastrâAntonio anspricht, befreundet ist, geraten die beiden in einen heftigen Streit (den angefacht zu haben, Pinocchios erster Streich ist.)cite-ref-4[3.1]
⢠(Kap. II) Geppetto ([dĘeËpËetËo], ein Spitzname fĂźr Giuseppe), wegen seiner gelben PerĂźcke als Maisbrei (Polendina) verspottet, ist ein ârĂźstiger alterâ Holzschnitzer, der in ärmlichen Verhältnissen lebt. Er schnitzt Pinocchio, um mit ihm später durch die Welt zu ziehen und sich âein StĂźck Brotâ und âein Glas Weinâ zu verdienen. Er verkauft seine einzige (schäbige) Jacke, um mit dem Geld fĂźr Pinocchio, der in die Schule gehen will, eine Fibel zu kaufen. Zwei Jahre im Bauch des Riesenhais haben ihn zum Invaliden gemacht, aber nach Pinocchios Verwandlung in einen Jungen wird er wundersamerweise âgesund und munter und gutgelaunt wie einstâ.cite-ref-5[3.2]
⢠(Kap. III) Pinocchio ([piËnÉkËjo]) wird im Titel und in der gesamten Geschichte immer als burattino bezeichnet. Dies bedeutet eigentlich eine Handpuppe. Pinocchio kĂśnnte eher Marionette genannt werden, wenn er sich nicht selbst bewegen wĂźrde, anstatt an SchnĂźren zu hängen. Korrekt ist er als Mannequin zu bezeichnen, in der alten Bedeutung einer Gliederpuppe fĂźr den Kunstunterricht. Pinocchio ist bekleidet mit einem âKleidchen aus geblĂźmtem Papier, einem Paar Schuhe aus Baumrinde und einem HĂźtchen aus Brotkrumenâ.cite-ref-6[3.3] Er ist im Grunde ein gutes Kind, neugierig und naiv, aber er lässt sich oft von schlechter Gesellschaft verfĂźhren. Während er sich rechtfertigt, verfällt er ins LĂźgen, wonach plotzlich seine Nase riesig wird. Wenn er seine LĂźge zurĂźcknimmt, schrumpft die Nase wieder.cite-ref-7[3.4] Nach seiner Verwandlung ist er ein hĂźbscher Junge âmit kastanienbraunem Haar, blauen Augen und heiterer und festlicher Mieneâ.cite-ref-5-1[3.2]
⢠(Kap. IV) Die Sprechende Grille (Grillo parlante, in Adaptionen auch Jiminy Cricket oder Pepe) ist âgeduldig und klugâ und wohnt schon seit mehr als hundert Jahren in Geppettos Zimmer. Sie ermahnt Pinocchio zum Gehorsam gegenĂźber den Eltern und wird von diesem totgeschlagen. In Kap. XIII erscheint sie als âSchattenâ erneut und wiederholt mit leiser Stimme âaus dem Jenseitsâ ihre Ermahnungen. In Kap. XVI ist die Grille wieder hĂśchst lebendig und eine der drei Ărzte am Krankenbett Pinocchios im Haus der Fee. Im letzten Kapitel lässt die Grille Pinocchio und Geppetto in ihre (von der Blauen Fee geschenkte) StrohhĂźtte einziehen.
⢠(Kap. X) Feuerfresser (Mangiafuoco, [mandĘaËfwÉko]) ist Puppenspieler des Gran Teatro dei Burattini (GroĂes Puppentheater). Trotz seiner grimmigen Erscheinung als rotäugiger langbärtiger Mann und seines cholerischen Charakters ist er nicht grundsätzlich bĂśse. Immer wenn er gerĂźhrt ist, muss er niesen. Nachdem Pinocchio ihm von der Armut seines Vaters erzählt hat, schenkt er ihm fĂźnf GoldmĂźnzen.
⢠(Kap. XI) Harlekin (Arlecchino) soll als Brennholz ins Feuer geworfen werden, um des Feuerfressers Hammelbraten fertig zu garen. Pinocchio will sich an seiner Stelle opfern. Der Feuerfresser muss niesen und verschont beide.
⢠(Kap. XII) Kater und Fuchs (Il Gatto e la Volpe) sind die einzigen bĂśsen Tiere in der Erzählung. Zunächst sind sie nur relativ harmlose Vagabunden, die vorgeben, blind (der Kater) bzw. lahm (der Fuchs) zu sein, und die versuchen, Pinocchio um seine GoldmĂźnzen zu prellen. Nachdem sie auf Kosten Pinocchios Ăźppig zu Abend gegessen haben, wollen sie ihm (verkleidet) die MĂźnzen mit Gewalt abnehmen â ohne Erfolg, da Pinocchio von der Fee gerettet wird.cite-ref-8[3.5] Pinocchio, der die beiden in ihrer Verkleidung nicht erkannt hatte, vertraut ihnen erneut, und diesmal gelingt ihnen der Betrug.cite-ref-9[3.6] Das Geld bringt ihnen kein GlĂźck; im letzten Kapitel erscheinen Kater und Fuchs wieder und zwar elender als je zuvor.
⢠(Kap. XIII) Der Wirt (Oste), Eigentßmer des Wirtshauses Zum Roten Krebs (Gambero Rosso), ist Komplize von Kater und Fuchs. Er kassiert fßr das Abendessen von Pinocchio eine Goldmßnze und schickt ihn um Mitternacht auf den Weg zum Feld der Wunder.
⢠(Kap. XIV) Die MĂśrder (Due Assassini oder Briganti) sind Kater und Fuchs, âzwei dĂźstere, in Kohlesäcken steckende Gestaltenâ, die von Pinocchio âGeld oder Leben!â fordern. Mit einem Messer bedroht, beiĂt Pinocchio dem kleineren MĂśrder die Hand ab, die als Katzenpfote auf den Boden fällt. Nach stundenlanger Verfolgungsjagd hängen ihn die MĂśrder mit einer Schlinge um den Hals an der GroĂen Eiche auf.
⢠(Kap. XV) Die Fee mit den dunkelblauen Haaren (Fata dai Capelli turchini) erscheint Pinocchio zum ersten Mal als schĂśnes kleines Mädchen (bambina) am Fenster ihres Hauses, mit einem Gesicht âso weiĂ wie eine Figur aus Wachsâ. Sie behauptet, tot zu sein. Im nächsten Kapitel erklärt Collodi seinen Lesern, dass es sich bei dem Mädchen um eine âgĂźtige Fee, die seit mehr als tausend Jahrenâ hier lebe, handle. Die Fee lässt Pinocchio durch einen Falken von dem Galgen befreien und durch ihren Diener Medoro in ihr Haus bringen. Sie heilt ihn vom Fieber und erklärt, LĂźgen sofort zu erkennen: âEs gibt solche, die kurze Beine haben, und solche, die eine lange Nase haben. Deine ist eine von denen mit einer langen Nase.âcite-ref-10[3.7] Nach langer Abwesenheit zum Haus der Fee zurĂźckgekehrt, findet Pinocchio nur mehr den Grabstein vor, unter dem la bambina dai capelli turchini gegraben liegt, gestorben aus Trauer um den verlorenen âkleinen Bruderâ Pinocchio.cite-ref-11[3.8] Ein wenig später trifft Pinocchio die Fee lebendig und als erwachsene Frau wieder, die statt der Rolle einer Schwester nun jene der Mutter einnimmt. Sie ermahnt ihn, folgsam zu sein, gerne zu lernen und zu arbeiten, nicht zu lĂźgen und in die Schule zu gehen. Diesmal lebt er längere Zeit bei ihr und wird wirklich ein braver SchĂźler.cite-ref-12[3.9] Als Esel erblickt Pinocchio die Fee unter den Zuschauern des Zirkus;cite-ref-13[3.10] auf einem Felsen in Meer stehend, versucht eine Ziege mit blauem Fell den schwimmenden Pinocchio vor dem Riesenhaifisch zu warnen;cite-ref-14[3.11] in der StrohhĂźtte der Ziege lebend, erfährt Pinocchio von Armut und Krankheit der Fee und lässt ihr sein ganzes Geld bringen. An seinem letzten Tag als Holzpuppe erscheint ihm die Fee im Traum, lobt ihn und dankt ihm fĂźr sein gutes Herz. Sie verabschiedet sich mit: âSei auch kĂźnftig vernĂźnftig, und du wirst glĂźcklich sein.âcite-ref-15[3.12] Das Motiv der Blauen Fee hat Collodi aus toskanischen Volksmärchen entlehnt.cite-ref-ud-2-1[2] Turchino (PreuĂischblau, ein sehr dunkles Blau) wird (auch von Italienern) oft mit Turchese (TĂźrkis, also hellblau) verwechselt, was in Adaptionen zu Unsicherheit gefĂźhrt hat. In diesen tritt daher gelegentlich eine blonde Blue Fairy auf, die blaue Kleider trägt, so z. B. im Disneyland Paris. Dass die Fee zweimal ihren Tod Ăźberlebt und so schnell altert, hat nicht minder fĂźr Irritationen gesorgt.
⢠(Kap. XVI) Medoro ist ein Diener der Fee, âein prächtiger Pudelâ, der aufrecht wie ein Mensch geht und in eine Kutscher-Livree gekleidet ist, mit Dreispitz, weiĂer PerĂźcke und brauner Jacke mit zwei groĂen Taschen, âin denen er die Knochen, die ihm die Herrin bei Tisch schenkte, aufzubewahren pflegteâ. Bei Regenwetter kann er seinen Schwanz âin eine Art Schirmfutteral, ganz aus dunkelblauer Atlasseideâ stecken. Er bringt den von der Eiche genommenen Pinocchio mit einer Kutsche ins Haus der Fee.
⢠(Kap. XVI) Die drei Ărzte beraten am Krankenbett Pinocchios darĂźber, ob Pinocchio tot oder lebendig ist. Der Rabe hält den Patienten fĂźr tot, der Kauz fĂźr lebendig, die Grille erinnert den Jungen an seine Missetaten und bringt ihn damit zum Weinen. Daraufhin meint der Rabe: âWenn der Tote seufzt, ist das ein Zeichen, dass er auf dem Weg der Genesung ist.â Der Kauz hält dagegen: âWenn der Tote weint, ist das ein Zeichen, dass er ungern stirbtâ.
⢠(Kap. XIX) Der Richter ist ein alter, groĂer Gorilla, der Pinocchios Klage um den Diebstahl der GoldmĂźnzen mit viel Wohlwollen anhĂśrt, Anteil nimmt und RĂźhrung zeigt, bevor er sein Urteil fällt: âDieser arme Teufel wurde um vier GoldstĂźcke beraubt: Ergreift ihn deshalb und werft ihn sofort ins Gefängnis.â Zwei âals Polizisten gekleidete Fleischerhundeâ (Mastini) fĂźhren den Befehl aus.
⢠(Kap. XX) Die Riesenschlage mit grßner Haut, feurigen Augen und einem rauchenden Schwanz versperrt Pinocchio den Weg. Nachdem dieser stolpert und kopfßber in den Schlamm fällt, wobei er mit den Beinen in der Luft zappelt, muss die Schlange so stark lachen, dass ihr eine Ader platzt und sie stirbt.
⢠(Kap. XXI) Der Bauer ist der Besitzer des Weinbergs, in dem Pinocchio beim Versuch, Muskatellertrauben zu stehlen, von einem Tellereisen gefangen wurde. Er legt Pinocchio das Halsband seines verstorbenen Hundes Melampo um und hängt ihn an die Kette, damit er den Hßhnerstall bewache.
⢠(Kap. XXII) Die vier Marder wecken den in der HundehĂźtte schlafenden Pinocchio auf und schlagen ihm vor, gemeinsame Sache mit ihnen zu machen, wie es schon Melampo getan hatte: âWir kommen einmal die Woche und nehmen acht HĂźhner mit. Sieben essen wir, und eins geben wir dir.â Pinocchio geht zum Schein auf den Vorschlag ein, sperrt die Marder im Stall ein und verbellt sie. Während die Marder als âsĂźĂsaurer Hasenbratenâ enden, wird Pinocchio vom Bauern freigelassen.
⢠(Kap. XXIII) Die Taube, die âgrĂśĂer als ein Truthahnâ ist, hĂśrt, in groĂer HĂśhe fliegend, Pinocchio lauthals am Grabmal der verstorbenen Fee weinen. Auf ihrem RĂźcken fliegt Pinocchio âmehr als tausend Kilometer weitâ ans Meer, wo Geppetto dabei ist, mit einem kleinen Boot in See zu stechen, um seinen Sohn zu suchen. Unterwegs lernt Pinocchio von der Taube, dass auch Wicken gut schmecken, wenn man Hunger hat.
⢠(Kap. XXVII) Alidoro, ein Fleischerhund (Mastino Napoletano), hetzt im Auftrag zweier Polizisten Pinocchio, gerät dabei ins tiefe Wasser und droht als Nichtschwimmer zu ertrinken. Aus Mitleid rettet Pinocchio seinen Verfolger und die beiden schlieĂen Freundschaft, die sich bewährt: Wenig später rettet Alidoro den in Mehl gewälzten Pinocchio, kurz bevor er vom gefrässigen Fischer in der Pfanne gebraten wird.cite-ref-16[3.13]
⢠(Kap. XXVIII) Der grĂźne Fischer (Pescatore verde) ist ein grässliches Ungeheuer: âAnstelle von Haaren wucherte ein dichtes GestrĂźpp aus grĂźnem Gras auf seinen Kopf, grĂźn waren seine Augen, grĂźn war sein langer, langer Bart. [âŚ] Er sah aus wie eine Rieseneidechse, die auf den Hinterbeinen steht.â Auch als Pinocchio ihm erklärt, kein Fisch zu sein, nimmt er ihm die Kleider ab und wälzt ihn im Mehl. Der vom Bratengeruch angelockte Alidoro entreiĂt dem Fischer die Holzpuppe. âAuf dieser Welt mĂźssen alle einander helfen.â resumiert der Lebensretter.cite-ref-16-1[3.13]
⢠(Kap. XXIX) Die groĂe Schnecke (Grossa lumaca) ist eine Dienerin der Fee und erscheint am Fenster im vierten Stockwerk, als Pinocchio an die TĂźr klopft: âMein Junge, ich bin eine Schnecke, und Schnecken sind niemals in Eile.â Nach neun Stunden ist die Schnecke zur HaustĂźr gelangt; inzwischen hat der ungeduldige Pinocchio in die TĂźr getreten und ist in ihr stecken geblieben. Seine Befreiung lässt auf sich warten: âMein Junge, dazu braucht man einen Schreiner, und ich habe noch nie als Schreinerin gearbeitet.â Als Monate später die Schnecke Pinocchio von Armut und Krankheit der Fee erzählt und von ihm zur UnterstĂźtzung vierzig Groschen erhält, läuft sie âentgegen ihrer Gewohnheit, wie eine Eidechse während der Hundstage im Augustâ mit dem Geschenk zu ihrer Herrin.cite-ref-5-2[3.2]
⢠(Kap. XXX) Romeo, genannt Docht (Lucignolo, in älteren Ăbersetzungen RĂśhrle) ist ein groĂer, dĂźnner Junge und âder grĂśĂte Faulpelz und Taugenichts der ganzen Schule, aber Pinocchio mochte ihn trotzdem sehr gernâ. Er Ăźberredet Pinocchio, ins Spielzeugland mitzukommen, wo es weder Schulen noch Lehrer noch BĂźcher gibt. âDer Donnerstag ist schulfrei und jede Woche hat sechs Donnerstage und einen Sonntag.â Nach fĂźnf Monaten im Spielzeugland verwandeln sich die beiden Freunde in Esel. Während Pinocchio an einen Zirkus verkauft wird, gerät Docht an einen Bauern. Nach seiner RĂźckverwandlung in eine Holzpuppe trifft Pinocchio seinen Freund im Stall des Bauern. Docht, âvor Hunger und Ăberanstrengung vĂśllig ausgezehrtâ, stirbt im Beisein Pinocchios.cite-ref-5-3[3.2]
⢠(Kap. XXXI) Der Kutscher (Omino di burro oder Il Cocchiere) ist ein freundlich lächelnder kleiner Mann mit einer Peitsche. Er ist sehr dick, hat ein rosiges Gesicht und schläft nie. Seine Stimme klingt so sßà wie Honig. Er lenkt den mit vierundzwanzig Eseln bespannten Wagen ins Spielzeugland. Nachdem sich die Kinder in Esel verwandelt haben, verkauft er sie auf dem Markt, nachdem er sie gut gestriegelt hat. âUnd auf diese Weise hat er in wenigen Jahren einen Haufen Geld verdient und war Millionär geworden.âcite-ref-13-1[3.10]
⢠(Kap. XXXIII) Der Direktor (Direttore) einer Gruppe von SpaĂmachern und Seiltänzern kauft den Esel Pinocchio, um ihn zu dressieren und im Zirkus springen und tanzen zu lassen. Nach drei Monaten Dressur mit der Peitsche lernt der Esel, âwie man durch Reifen springt, mit dem Kopf Pappfässer durchstĂśĂt und Walzer und Polka aufrecht auf den Hinterbeinen tanzt.â Doch bei seiner DebĂźtvorstellung stĂźrzt Pinocchio, abgelenkt durch den Anblick der Fee im Publikum, schwer und lahmt forthin.
⢠(Kap. XXXIII) Der Käufer (Compratore) des Esels will aus dessen Fell eine Trommel machen. Er versenkt den Esel im Meer, um ihn zu ertränken. Als er das Seil wieder herauszieht, hängt statt des Esels eine Holzpuppe daran, âdie mit dem Schwanz wedelt wie ein Aalâ. Pinocchio entflieht dem Ăźber den Verlust seiner vierzig Soldi wĂźtenden Mann.
⢠(Kap. XXXIV) Der Riesenhai (Il Terrible Pesce-Cane) ist âgrĂśĂer als ein fĂźnfstĂśckiges Hausâ und durch seinen Schlund âkann ein Eisenbahnzug samt dampfender Lokomotive Platz findenâ.cite-ref-17[3.14] Der im Meer schwimmende Pinocchio versucht vergeblich, den rettenden Felsen mit der blauen Ziege zu erreichen. Im Bauch des Ungeheuers findet er zunächst einen Thunfisch und dann seinen Vater Geppetto, der schon zwei Jahre zuvor gefressen worden war. Die drei fliehen, während der Fisch mit offenem Mund schläft, indem sie Ăźber drei Reihen von ReiĂzähnen klettern.
⢠(Kap. XXXIV) Der Thunfisch (Tonno), âso groĂ und kräftig gebaut wie ein zweijähriges Kalbâ, mitgefangen im Riesenhai, findet sich zunächst mit seinem Schicksal ab: âWenn man als Thunfisch geboren wird, ist es wĂźrdevoller, unter Wasser zu sterben als im Ăl.â Dann folgt er jedoch Pinocchio und Geppetto nach und trägt die beiden inzwischen erschĂśpften Schwimmer auf seinem RĂźcken ans Ufer. Wohlbehalten angekommen, bedankt sich Pinocchio bei ihm mit einem âzärtlichen Kuss auf den Mundâ.cite-ref-5-4[3.2]
⢠(Kap. XXXVI) Giangio heiĂt der GemĂźsebauer, der den Esel Docht gekauft hat.cite-ref-18[3.15] Die Grille schickt Pinocchio zu Giangio, der ihm ein Glas Milch fĂźr den kranken Geppetto geben kann. FĂźr dieses Glas Milch muss Pinocchio mit dem GĂśpelwerk hundert Eimer Wasser aus der Zisterne pumpen. Der Esel, der das bisher erledigt hatte, liegt im Sterben: Es handelt sich um Docht. Giangio lacht Ăźber Pinocchios Trauer: âWie?! Du hattest Esel als Schulkameraden? â Ich kann mir vorstellen, was du fĂźr tolles Zeug gelernt hast!â. Pinocchio arbeitet fĂźnf Monate fĂźr den Bauern.
Deutung
Realismus
âDie Geschichte von Pinocchio ist realistisch und doch zeitenthoben wie ein Märchen: Die Abenteuer eines armen Kindes, das zwischen dem Impuls nach einem freien, von jeder Not befreiten Leben und der harten Realität hin und her gerissen wird, sind vor dem Hintergrund der harten Lebensbedingungen des vorindustriellen, agrarischen Italien der Jahrhundertwende zu verstehen. Die Verwandlung des Pinocchio von der leichtsinnigen Marionette zum guten Kind bedeutet keine Befreiung aus der Armut.âcite-ref-fj-1-1[1]
AuĂer dem Umstand, dass der jugendliche Held der Geschichte eine Holzpuppe ist (weder Marionette noch Hampelmann â er wird nicht an SchnĂźren bewegt), werden nur wenige Elemente der Handlung märchenhaft dargestellt: Vor allem Pinocchios Verwandlung zum Esel und die Verschluckung durch den Fisch. Diese Motive wurden zuvor von Apuleius in dessen Goldenen Esel (Metamorphosen) bzw. vom Propheten Jona(s) des ZwĂślfprophetenbuchs in die Weltliteratur eingefĂźhrt.
Pinocchios Verstrickung in Schwierigkeiten geschieht realistisch und wird psychologisch plausibel aus seiner kindlichen Unreife abgeleitet. âUngelenke Beine hat er, ist spittelig, zappelig, bleibt nicht zwei Minuten auf dem gleichen Fleck. [âŚ] Er faĂt immer gute Vorsätze, sieht nie die Folgen seines Handelns voraus.âcite-ref-ud-2-2[2] Auch sein robuster hĂślzerner KĂśrper gibt Anlass fĂźr realistische Schilderungen: Pinocchio vermag sich mit kräftigen Schlägen zu wehren, hängt stundenlang am Galgen, ohne zu ersticken, schwimmt auf dem Wasser wie ein StĂźck Holz eben. Als ihm im Schlaf die FĂźĂe verbrennen, schnitzt ihm Geppetto neue und leimt sie ihm an.
Moral
AuĂer von den âBezugspersonenâ Geppetto und Blaue Fee erhält Pinocchio moralische Belehrung durch eine Reihe von sprechenden Tieren, die ihn zu FleiĂ, Gehorsam und gutem Betragen ermahnen und vor dem Einfluss von âschlechten Kameradenâ warnen. Er mĂśchte aber nicht lernen und auch kein Handwerk ausĂźben. Der einzige Beruf, der ihm gefällt, ist: âEssen, trinken, schlafen, mich vergnĂźgen und von frĂźh bis spät ein Vagabundenleben fĂźhren.âcite-ref-19[3.16]. Die Grille prophezeit ihm daraufhin ein Ende im Armenhaus oder im Gefängnis.
FleiĂ ist die kleinbĂźrgerliche Tugend, der Pinocchios Väter, der eine karge Existenz fĂźhrende Geppetto und der Ăźberzeugte Liberale Collodi (der 1848 und 1859 am Italienischen Unabhängigkeitskampf teilgenommen hatte), verpflichtet sind. Pinocchio lernt bis zum Ende der Geschichte seine Lektion; der Roman aber âvermag die Verwicklung nur auf der moralischen, nicht aber auf der sozialen Ebene zu lĂśsen.âcite-ref-fj-1-2[1] So wie Armut keine Rechtfertigung fĂźr Diebstahl ist, ist FleiĂ keine Garantie auf Reichtum. âDer Hunger, mein liebes Kind, ist kein Grund, sich Dinge anzueignen, die einem nicht gehĂśrenâ spricht das GlĂźhwĂźrmchen zum im Fangeisen feststeckenden Pinocchio.cite-ref-20[3.17]
Im 20. Jahrhundert änderte sich die Sicht auf Pinocchios Mängel: âEr ist Prahlhans, HasenfuĂ, LĂźgen- und Raufboldâ urteilt ein Märchenkenner 1995.cite-ref-ud-2-3[2] Nichts in Collodis Roman rechtfertigt die Pauschalität dieses Urteils. Pinocchio ist faul und leichtsinnig, aber nicht boshaft oder aggressiv. In beiden Raufereien verteidigt er sich nur;cite-ref-21[3.18] wenn er lĂźgt, dann nicht aus Bereicherungsabsicht, sondern aus Verlegenheit und schlechtem Gewissen.cite-ref-7-1[3.4]
Humanität
Dass Pinocchio ein gutes Herz hat, beweist nicht nur seine Anhänglichkeit an Geppetto und die Liebe zur Blauen Fee; z. B. rettet er auch den Hund Alidoro vor dem Ertrinkencite-ref-22[3.19] und erweist sich als Wachhund loyal gegenĂźber seinem âArbeitgeberâ.cite-ref-23[3.20] âWeil du ein so gutes Herz hast, verzeihe ich dir all deine Streicheâ, spricht die Fee vor der Verwandlung Pinocchios in einen Menschen, âKindern, die ihren unglĂźcklichen und kranken Eltern liebevoll beistehen, verdienen immer hohes Lob und groĂe Zuneigung, auch wenn sie nicht als Musterbeispiele von Gehorsam und gutem Betragen gelten kĂśnnen.âcite-ref-15-1[3.12]
Im scharfen Gegensatz zu den hilfreichen Tieren stehen die meisten der menschlichen Nebenfiguren des Romans: Der heuchlerische Kutscher als Esel- bzw. Menschenhändler, der menschenfressende Fischer, der willkĂźrlich urteilende Richter, der cholerische Puppenspieler, der Zirkusdirektor, die Bauern, die Pinocchio ausbeuten, indem sie ihn an die Hundekette binden bzw. das GĂśpelwerk drehen lassen, die der Obrigkeit willfährigen Polizisten â sie sind allesamt keine moralischen Vorbilder.
Es fällt auf, dass im Roman keine bÜsen Frauen auftreten, und dass die Sphäre der Religion vollständig ausgeklammert ist: Kirchen, christliche Gebräuche und Geistliche kommen nicht vor; es wird weder gebetet noch die Messe besucht. Dies steht im Einklang mit Collodis säkularer Gesinnung und dem Umstand, dass im KÜnigreich Italien von seiner Grßndung 1861 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts die katholische Kirche von der Staatsfßhrung ausgeschlossen war.
Sozialisation
Pinocchio ist die Geschichte einer Sozialisation; ein Lausbub lernt, sich an die Normen der Erwachsenenwelt anzupassen. Dies ist das Ergebnis der aus seinen Abenteuern gewonnenen Erfahrung: âNicht der Vater, sondern das Leben selbst lehrt ihn das rechte Handeln.âcite-ref-25[4.1]
Pinocchios Kindheit wurde durch seine erfolgreiche Erziehung zu einem Abschluss gebracht. Er kann nur den Platz eines verantwortungsbewuĂten Erwachsenen einnehmen, indem er jenen des leichtsinnigen Kindes aufgibt. âPinocchio ist somit auch die Illustration all dessen, was an ursprĂźnglicher Kreativität, Geniehaftigkeit und Grazie durch Sozialisation verloren geht.âcite-ref-26[4.2]
Ein Buch fĂźr Erwachsene
Seit Giorgio Manganelli 1977 in seinem Buch Pinocchio: un libro parallelo sowie in Aufsätzen dazu aufgerufen hat, den Pinocchio als Erwachsenenbuch zu lesen â dieser Aufforderung haben sich Schriftsteller wie Antonio Tabucchi und Umberto Eco angeschlossen â, wird die literaturhistorische Dimension des Buches ernst genommen und die vermeintliche pädagogische Absicht des Kinderbuches tritt in den Hintergrund. Parallelen zu den Berichten Ăźber Jesus Christus und BezĂźge zur spätantiken Satire werden erkennbar, zu Menippos von Gadara und Lukian von Samosata sowie zur Renaissance-Literatur werden erĂśrtert. Statt um ein Kind geht es bei solchen Interpretationen um eine Variante der Narrenfigur, die den Leser in einen Prozess der Selbstreflexion verwickelt.
Italo Calvino bekannte kurz vor seinem Tode 1985, in Pinocchio stets sein erzählerisches Vorbild gesehen zu haben. Jede Episode stehe im Werk am richtigen Platz, jede Wiederkehr eines Motives sei wohlßberlegt, und die Peripetie (Pinocchios Menschwerdung) trage den Charakter des Notwendigen.cite-ref-mc-27-0[5]
Editionsgeschichte
Carlo Collodi verĂśffentlichte die Geschichte der Holzpuppe zuerst im von Ferdinando Martini herausgegebenen Giornale per i bambini, der wĂśchentlichen Beilage der Tageszeitung Il Fanfulla. Sie erschien unter dem Titel La storia di un burattino in acht Teilen zwischen dem 7. Juli und 27. Oktober 1881, in unregelmäĂigen Abständen von einer bis fĂźnf Wochen.
Danach â mit dem Ende des späteren Buchkapitels XV â wollte Collodi SchluĂ machen. Pinocchio hing am Strick an der GroĂen Eiche, âschloss die Augen, Ăśffnete den Mund, streckte die Beine und blieb nach einer letzten Zuckung wie erstarrt hängenâ. Nach empĂśrten Protesten der jugendlichen Leser kĂźndigte zwei Wochen später der Herausgeber an, dass Pinocchio noch am Leben sei und dass âHerr C. Collodi [âŚ] euch noch allerhand von ihm erzählen wird. Das ist natĂźrlich, denn ein [âŚ] Holzding wie Pinocchio hat harte Knochen, und es ist nicht so leicht, ihn ins Jenseits zu befĂśrdern.â(zitiert beicite-ref-ms-28-0[6])
Ab dem 16. Februar 1882 erschienen, nun unter dem Titel Le avventure di Pinocchio, weitere Folgen, mit mehreren Unterbrechungen, bis zur letzten Episode am 25. Januar 1883. Drei Wochen danach kĂźndigte eine Anzeige im Corriere del Mattino die vom Verlag Felice Paggi besorgte und von Enrico Mazzanti illustrierte Buchausgabe an. 1890, als Carlo Collodi verstarb, erschien das Buch bereits in der 5. Auflage. âSince then, the spread of Pinocchio on the main markets for childrenâs book of the time, and from there throughout the world, was continuous and uninterrupted.âcite-ref-fp-29-0[7]
1889 war der Verlag Felice Paggi verkauft worden; er wurde unter dem Namen R. Bemporad weitergefĂźhrt. Ab 1901 erschienen die Abenteuer Pinocchios im neuen Verlag und mit neuen, von Carlo Chiostri gezeichneten und Adolfo Bongini gestochenen Illustrationen. Von 1910 an erschienen die Ausgaben mit Illustrationen von Attilio Mussino.
Englische Ăbersetzungen
Wirkungsvoll fĂźr die weltweite Verbreitung der Abenteuer Pinocchios waren die englischen Ăbersetzungen. Deren erste, The Story of a Puppet. The aventures of Pinocchio erschien bereits 1892 bei T. Fisher Unwin in London (mit einer separaten Ausgabe fĂźr die USA) und griff auf die Zeichnungen Mazzantis zurĂźck. â[The book] met with enthusiastic reviews â no mean achievement in the land of childrenâs books.âcite-ref-fp-29-1[7]
1898 bzw. 1899 erschien in Boston als Raubdruck Pinocchio's Adventures in Wonderland. Ohne Angabe eines Autors und des Zeichners, aber des fiktiven Ăbersetzers Hezekiah Butterworth erschienen, sind Text und Illustrationen ident mit jener der Londoner Ausgabe von Fisher Unwin. Der Hinweis auf das Wunderland sollte einerseits die Vorlage verschleiern und andererseits von der Popularität des bekannten Kinderbuchs profitieren.
Die erste eigenständige Ausgabe in den USA erschien 1904, vom Amerikaner Walter S. Cramp Ăźbersetzt und vom Amerikaner Charles Copeland illustriert. Sie wurde vom Verlag Ginn & Company unter zwei verschiedenen Titeln verĂśffentlicht, als The adventures of Pinocchio bzw. als Pinocchio. The adventures of a marionette. Die beiden Varianten unterscheiden sich nur im Titel und in den Titelvignetten. âFrom that time, well before the global success of Walt Disneyâs Pinocchio, the adventures of the puppet were one of the best loved childrenâs books for many Americans and an important step for many illustrators.âcite-ref-fp-29-2[7]
Ăbersetzungen und âPinocchiadenâ
Bis 1940 â als in Italien das Urheberrecht erlosch â wurde Pinocchio in alle europäischen Sprachen Ăźbersetzt, und auch in verschiedene auĂereuropäische. Gegenwärtig (2019) liegen Ăbersetzungen in geschätzt 240 Sprachen vor: Damit nimmt das Werk in der Weltliteratur den zweiten Platz ein und den ersten unter den italienischen BĂźchern.cite-ref-3-30-0[8] (Global hat nur Der kleine Prinz die Nase vorn.cite-ref-5-31-0[9]) Es ist auĂerdem das meistverkaufte Buch der italienischen Literatur.cite-ref-4-32-0[10]
Das Buch erschien 1905 erstmals in deutscher Sprache unter dem Titel Hippeltitschâs Abenteuer (in anderen Ăbersetzungen auch Das hĂślzerne Bengele), seit 1948 aber zumeist unter Die Abenteuer des Pinocchio.cite-ref-1-33-0[11]
Bis heute erschienen so viele von Collodis Werk und der Figur Pinocchio inspirierte Texte, dass sich in der Fachliteratur dafĂźr die Bezeichnung âPinocchiadeâ durchgesetzt hat. Eine Bibliographie von 1984 verzeichnet bereits Ăźber 400 Pinocchiaden.cite-ref-34[12]
Eine deutsche Version des Pinocchio schrieb Otto Julius Bierbaum, die er 1905 unter dem Titel Zäpfel Kerns Abenteuer, eine deutsche Kasperlegeschichte verÜffentlichte. Beigegeben waren 65 Zeichnungen von Arpad Schmidhammer.
Von Pfarrer Anton Grumann, der 1913 ebenfalls eine deutsche Ăbersetzung verĂśffentlicht hatte, erschien 1931 die Fortsetzung Die Geschichte von Bengeles Schwester, die jedoch nicht weiter bekannt wurde.cite-ref-2-35-0[13]
In der Sowjetunion wurde das 1936 publizierte Kinderbuch Die Abenteuer des Burattino oder das goldene Schlßsselchen von Alexei Nikolajewitsch Tolstoi populär: eine freie Nacherzählung von Carlo Collodis Roman, deren Handlung nach dem ersten Viertel stark vom Original abweicht.cite-ref-36[14]
Weitere Autoren, die sich mit Collodis Werk auseinandergesetzt haben, sind Christoph Meckelcite-ref-37[15], Peter Härtlingcite-ref-38[16] und Christine NÜstlingercite-ref-39[17].
Ausgaben
Als Autor wird, falls nicht anders angegeben, C(arlo) Collodi genannt.
Erste italienische Ausgaben
⢠La storia di un burattino. Ab 1882: Le avventure di Pinocchio. in: Giornale per i bambini, 7. Juli 1881 bis 25. Januar 1883. (Illustrationen Ugo Fleres).
⢠Le Avventure di Pinocchio. Storia di un Burattino. (Illustrationen Enrico Mazzanti) Libreria Editrice Felice Paggi, Florenz 1883, 4. Ausgabe 1888, 6. Auflage 1892 (Wikisource)
⢠Le Avventure di Pinocchio. Storia di un Burattino. (Illustrationen Carlo Chiostri, Stecher Adolfo Bongini) R. Bemporad & figlio, Florenz 1901, Nuova edizione 1902 (Wikisource) (Abbildungen).
⢠Le Avventure di Pinocchio. Storia di un Burattino. (Illustrationen Attilio Mussino) R. Bemporad & figlio, Florenz 1910.
⢠Le Avventure di Pinocchio. Storia di un Burattino. (Illustrationen Luigi E. M. Augusta Cavlieri) Adriano Salani Editore, Florenz 1924.
Alte englische Ausgaben
⢠(Erste englische Ausgabe:) The Story of a Puppet. The aventures of Pinocchio. (Ăbersetzung Mary Alice Murray, Illustrationen Enrico Mazzanti) T. Fisher Unwin, London 1892 (Digitale Version) (Wikisource) (Abbildungen).
⢠Simultane Ausgabe durch Cassell, New York 1892.
⢠(Raubdruck ohne Angabe eines Autors:) Pinocchio's Adventures in Wonderland. (Alcazar Series) (Ăbersetzung Hezekiah Butterworth, ab 1899 vier ganzseitige Farbtafeln von Quentin) (Alcazar Series) Jordan, Marsh & Co, Boston 1898, Neuausgabe 1899. - Der Text ist ident mit dem der Ausgabe Fisher Unwin/Cassell, auch die Illustrationen wurden nachgedruckt ohne Hinweis auf Enrico Mazzanti.
⢠The adventures of Pinocchio. (Ăbersetzung Walter S. Cramp, Bearbeitung Sara E. H. Lockwood, Illustrationen Charles Copeland) Ginn & Company, Boston/New York/Chicago/London 1904 (Digitale Version) (Wikisource) (Abbildungen).
⢠(dazu nahezu idente Ausgabe:) Pinocchio. The adventures of a marionette. (Ăbersetzung Walter S. Cramp, Bearbeitung Sara E. H. Lockwood, Illustrationen Charles Copeland) Ginn & Company, Boston/New York/Chicago/London 1904 (Digitale Version) (Internet Archive) (Abbildungen).
⢠Pinocchio. The adventures of a little wooden boy. (Ăbersetzung Joseph Walker, Illustrator ungenannt) T. Y. Crowell, New York 1909 (Digitale Version) (Internet Archive).
⢠(Autor: Carlo Lorenzini:) The Marvelous Adventures of Pinocchio. (Adventures Every Child Should Know Series) (Ăbersetzung Augustus G. Caprani, Herausgeber Mary E. Burt, Illustrationen Emily Hall Chamberlin) Doubleday, Page and Co, New York 1909.
⢠The adventures of Pinocchio, a marionette. Arranged as a dramatic reader. (Bearbeitung Emily Gray) A. Flanagan company, Chicago 1911 (Digitale Version) (Internet Archive).
⢠Pinocchio. A tale of a puppet. M. A. Donohue & Co, Chicago 1911 (Digitale Version) (Abbildungen).
⢠Pinoocchio. The story of a puppet. (Illustrationen Maria L. Kirk) J. B. Lippincott Company, Philadelphia/London 1916 (Digitale Version) (Abbildungen).
⢠Pinocchio. The tale of a puppet. (Illustrationen Alice Carsey) Whitman publishing, Racine, Chicago 1917 (Digitale Version) (Internet Archive).
⢠Pinocchio. The story of a marionette. (Herausgeber Sidney G. Firman, Illustrator ungenannt) John C. Winston, Philadelphia/Chicago/Toronto 1923 (Digitale Version) (Internet Archive).
⢠Pinocchio - the story of a puppet. (Illustrationen Violet Moore Higgins) Albert Whitman & Company, 1926 (Wikisource) (Abbildungen).
Aktuelle deutsche Ausgaben
⢠Pinocchio. (Ăbersetzung Paula Goldschmidt, Illustrationen Thorsten Tenberken) Dressler Verlag, Hamburg 2001, ISBN 3-7915-3567-6.
⢠Pinocchio. Die Geschichte eines Hampelmanns. Ein Fortsetzungsroman. (Zweisprachige Ausgabe italienisch/deutsch) (Ăbersetzung Marianne Schneider) Schirmer/Mosel Verlag, MĂźnchen 2003. ISBN 3-8296-0073-9.
⢠Pinocchio. (Bearbeitung Kristina Franke, Illustrationen Kestutis Kasparavicius) (Coppenraths Kinderklassiker.) Coppenrath Verlag, Mßnster 2005, ISBN 3-8157-3920-9.
⢠Pinocchio. (Ăbersetzung Hubert Bausch, Illustrationen Sara Fanelli) Verlag Sauerländer, DĂźsseldorf 2003, ISBN 3-7941-6015-0.
⢠Pinocchio. (Illustrationen Roberto Innocenti) Sauerländer bei Patmos, Dßsseldorf 2005, ISBN 3-7941-6054-1.
⢠Die Abenteuer des Pinocchio. (Ăbersetzung und Illustrationen Mario Grasso) Lappan Verlag, Oldenburg 2011, ISBN 978-3-8303-1150-8.
⢠Pinocchio. (Illustrationen Carlo Chiostri) Anaconda Verlag, KÜln 2011, ISBN 978-3-86647-695-0.
⢠Pinocchios Abenteuer. Die Geschichte einer Holzpuppe. (Ăbersetzung Hubert Bausch, Illustrationen Enrico Mazzanti) (Reclam Taschenbuch Nr. 20683) Philipp Reclam jun., Ditzingen 2022, ISBN 978-3-15-020683-6.
⢠Pinocchio. Abenteuer einer Holzpuppe. (Illustrationen Enrico Mazzanti, Carlo Chiostri und Charles Copeland) Alfa-Veda Verlag Jan Mßller, Oebisfelde 2024, ISBN 978-3-98837-022-8.
Verfilmungen und Dramatisierungen
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Hauptartikel
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Pinocchiofilme, -hĂśrspiele und -bĂźhnenwerke
Das Buch von Collodi wurde oft dramatisch bearbeitet und verfilmt. Die erste Bßhnenadaption entstand 1899, sie wurde von Gattesco Gatteschi und Enrico Guidotti verfasst und von Luigi Rasi aufgefßhrt. 1911 widmete ihm Giulio Antamoro einen 45 Minuten langen, nachträglich handkolorierten, Stummfilm. Den Pinoccio spielte der damals berßhmte Varietekßnstler Ferdinand Guillaume alias Polidor. In den 1990er Jahren wurde eine fast komplette Kopie des Films wiederentdeckt und restauriert.cite-ref-fp-29-3[7]
1932 realisierte der japanische Regisseur NoburĹ Ĺfuji (1900â1961) einen Pinocchio-Film mit animierten Puppen, eine damals experimentelle Technik. Zeichentrickverfilmungen in Spielfilmlänge wurden bereits in den 1930er Jahren in Italien produziert, davon einige in Farbe.cite-ref-fp-29-4[7] Aber erst der âimmer wieder aufgefrischteâcite-ref-ud-2-4[2] Film von Walt Disney (1940), der ebenfalls neue Animationstechniken nutzte, verschaffte Pinocchio eine weltweite Präsenz.
Von den Nachkriegsproduktionen seien hier nur stellvertretend fĂźr viele andere die italienische TV-Serie mit Gina Lollobrigida als Blauer Fee (1972), Roberto Benignis Pinocchio (2002) und Guillermo del Toros Pinocchio (2022) genannt.
Ambivalenz der Verwendung
⢠Der groĂe Erfolg von Pinocchio und seinen Ăbersetzungen und Nachahmungen etablierte die Lange Nase als ein Symbol fĂźr eine LĂźge. Zeitgenossen, denen LĂźgenhaftigkeit unterstellt wurde (oder denen zumindest eine LĂźge nachgewiesen werden konnte), werden seitdem in der Porträtkarikatur mit einer Pinocchio-Nase dargestellt.
⢠Trotz dieser negativen Assoziation ist Pinocchio als Figur, Bild oder Logo ein häufig verwendeter Werbeträger. So z. B. stellte Ende Oktober 2012 der Radsport-Weltverband UCI Pinocchio als Maskottchen der Radsport-Weltmeisterschaften 2013 vor, die in Collodis Heimatstadt Florenz stattfand. Dass der UCI eine Woche zuvor Lance Armstrongs sieben Siege bei der Tour de France aberkannt hatte und damit die Ambivalenz des Pinocchiosymbols wieder einmal offensichtlich wurde, fßhrte zu spÜttischen Reaktionen.cite-ref-10-40-0[18]
⢠Pinocchio ist ein häufiger Bewohner von Themenparks: Im Dorf Collodi, in der Toskana zwischen Lucca und Pistoia gelegen, wurde von der Gemeinde ein Pinocchio-Park (Parco di Pinocchio) errichtet. Ein Rundgang fĂźhrt zu den kĂźnstlerisch gestalteten Stationen der Pinocchio-Geschichte. â Im Miniatur Wunderland kann man Pinocchios Nase wachsen sehen â allerdings in Geppettos Werkstatt und nicht (wie in Collodis Text) bei der Fee mit den blauen Haaren.
⢠Bei der GroĂen Eiche, an der Pinocchio baumelte, soll es sich um die Hexeneiche (Quercia delle streghe) handeln, die in der Provinz Lucca, in der Nähe von Gragnano (Gemeinde Capannori) steht. Dies wird zumindest von der Ăśrtlichen Tourismuswerbung behauptet.cite-ref-6-41-0[19]
⢠Der Pinocchio-Eisbecher ist eine in vielen Eisdielen angebotene Speiseeis-Variante. Die charakteristische Nase wird dabei durch ein WaffelrÜllchen gebildet.
Kritische Literatur
⢠Dieter Richter: Carlo Collodi und sein Pinocchio. Ein weitgereister Holzbengel und seine toskanische Geschichte. Wagenbach, Berlin 2004, ISBN 3-8031-2495-6.
⢠Gerrit Confurius: Der Pinocchio-Effekt. Vom Eigensinn des Ich in einer verkehrten Welt. Sonderzahl Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-85449-317-4.
⢠Ingrid Ramm-Bonwitt: Pinocchio â naseweis, lustig, weltberĂźhmt. Puppen & Masken, Frankfurt 2011, ISBN 978-3-935011-76-1.
Weblinks
Commons
: Pinocchio
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Le avventure di Pinocchio
â Originaltext (italienisch)
⢠Anton Grumann: Pinocchio â Die Geschichte vom hĂślzernen Bengele im Projekt Gutenberg-DE. Deutsche Ăbersetzung von 1913.
⢠Nationalstiftung Collodi-Pinocchio
⢠HÜrbuch. Aufnahme der italienischen Originalausgabe
⢠HĂśrbuch: Carlo Collodi: Pinocchio â Die Geschichte vom hĂślzernen Bengele, 13 Folgen, 01.12.2025, MDR KULTUR auf ARD Audiothek
⢠Arte: Toskana: Heimat von Pinocchio (Video verfßgbar bis zum 12. März 2027) auf YouTube
⢠Perri Klass: The Real Story of Pinocchio Tells No Lies im Smithsonian magazine, Juni 2022.
Einzelnachweise
cite-note-fj-11. â Franca Janowski: Ottocento: Letteratura per l'infancia: Collodi und De Amicis. in: Volker Kapp (Hrsg.): Italienische Literaturgeschichte. Zweite, verbesserte Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 1994, ISBN 3-476-01277-8, Seite 297 bis 299.
cite-note-ud-22. â Pinocchio. in: Ulf Diederichs: Whoâs Who im Märchen. Padmos Verlag, DĂźsseldorf 2006, ISBN 3-491-96175-0, Seite 245 bis 247.
1. Carlo Collodi: Pinocchios Abenteuer. Die Geschichte einer Holzpuppe. Ăbersetzt von Hubert Bausch. Mit Illustrationen von Enrico Mazzanti. (Reclam Taschenbuch Nr. 20683) Philipp Reclam jun., Ditzingen 2022, ISBN 978-3-15-020683-6.
2. Hubert Bausch: Nachwort. in: Carlo Collodi: Pinocchios Abenteuer. Die Geschichte einer Holzpuppe. Ăbersetzt von Hubert Bausch. Mit Illustrationen von Enrico Mazzanti. (Reclam Taschenbuch Nr. 20683) Philipp Reclam jun., Ditzingen 2022, ISBN 978-3-15-020683-6, Seite 188 bis 195.
cite-note-mc-275. â Maria Corti: Il mio primo modelle è stato Pinocchio (Interview mit Italo Calvino) in: La Republica, 30. September 1985.
cite-note-ms-286. â Marianne Schneider: Nachwort in: Carlo Collodi: Pinocchio. Die Geschichte eines Hampelmanns. Ein Fortsetzungsroman. (Zweisprachige Ausgabe italienisch/deutsch) (Ăbersetzung Marianne Schneider) Schirmer/Mosel Verlag, MĂźnchen 2003. ISBN 3-8296-0073-9.
cite-note-fp-297. â The Adventures of Pinocchio. Fondazione Pinocchio. Archiviert vom Original am 9. September 2019. Abgerufen am 24. August 2025.
cite-note-3-308. â Sabrine Cernuschi: Pinocchio: l'opera piĂš tradotta della letteratura italiana. bei italiani.it, 19. Dezember 2019. Abruf am 24. August 2025.
cite-note-5-319. â Rainer Schmitz: Was geschah mit Schillers Schädel? Alles, was Sie Ăźber Literatur nicht wissen. Eichborn Berlin, Berlin 2006, Spalte 1495, ISBN 3-8218-5775-7.
cite-note-4-3210. â Giovanni Gasparini: La corsa di Pinocchio. Vita e Pensiero, Mailand 1997, Seite 117, ISBN 88-343-4889-3.
cite-note-1-3311. â Werner Habicht, Wolf-Dieter Lange: Der Literatur Brockhaus. Band A-Ft. F. A. Brockhaus, Mannheim 1988, S. 420.
cite-note-3412. â Rodolpho Biaggioni: Pinocchio: cent'anni d'avventure illustrate. Bibliografia delle edizioni illustrate italiane di C. Collodi: Le avventure di Pinocchio, 1881/83-1983. Giunti Marzocco, Florenz 1984.
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cite-note-3614. â Bettina KĂźmmerling-Meibauer: Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Ein internationales Lexikon. Band 3. J. B. Metzler Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-476-02021-5, S. 1079â1081.
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